Augustnacht: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Seite wurde neu angelegt: „<poem> {{Zeile|5}} Eine runzelige Alte, schleicht die Abenddämmerung, gebückten Ganges durchs Gefild und sammelt und sammelt das letzte Licht in ihre Schürze. Vom Wiesenrain, von den Hüttendächern, von den Stämmen des Walds, nimmt sie es fort. Und dann humpelt sie mühsam den Berg hinauf und sammelt und sammelt die letzte Sonne in ihre Schürze. Droben umschlingt ihr mit Halsen und Küssen ihr Töchterchen Nacht den Nacken und greift b…“
 
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<poem>
<poem>
{{Zeile|5}}
Stille, herrliche Sommernacht!
Eine runzelige Alte,
Silberfischlein springen lustig
schleicht die Abenddämmerung,  
in dem himmlischen Meer.
gebückten Ganges
Hochauf schnellen
durchs Gefild
{{Zeile|5}}die zierlichen Leibchen sich,  
und sammelt und sammelt
blitzschnell wieder verschwindend.  
das letzte Licht
Hinter grauen Wolkenklippen
in ihre Schürze.  
gleißt es verdächtig.
 
Da kauert arglistig
Vom Wiesenrain,
{{Zeile|10}}der Mann im Mond -
von den Hüttendächern,
und fischt.  
von den Stämmen des Walds,
Verstohlene, seidene
nimmt sie es fort.  
Angelschnüre
Und dann
wirft er hinab
humpelt sie mühsam
{{Zeile|15}}in die arglose Flut.  
den Berg hinauf
Ach! und nun
und sammelt und sammelt
zappelt auch schon
die letzte Sonne
ein armer Weißling
in ihre Schürze.
am Haken
 
{{Zeile|20}}und fliegt
Droben umschlingt ihr
im weiten Bogen
mit Halsen und Küssen
hinauf zu den grauen,  
ihr Töchterchen Nacht
häßlichen Klippen ...
den Nacken
Mir ist,
und greift begierig
{{Zeile|25}}ich höre ein leises,
ins ängstlich verschlossene
behäbiges Lachen.
Schurztuch.
 
Als es sein Händchen
wieder herauszieht,  
ist es schneeweiß,
als wär’ es mit Mehl
rings überpudert.
 
Und die Kleine,
längst gewitzt,
tupft mit dem
niedlichen Zeigefinger
den ganzen Himmel voll
und jauchzt laut auf
in kindlicher Freude.
Ganz unten aber
macht sie einen großen,  
runden Tupfen -
das ist der Mond.  
 
Mütterchen Dämmerung
sieht ihr mit mildem
Lächeln zu.
Und dann geht es
langsam
zu Bette.
</poem>
</poem>


{{ÜbersichtGedichtband|In Phantas Schloß}}
{{ÜbersichtLYR|In Phantas Schloß}}


== Kommentar ==
{{InformationLYR
{{Gedichtinformation
| Werkgruppe = Lyrik
|Titel =  
| Werkbereich = In Phantas Schloß
|Textanfang =  
| Titel = Augustnacht
|zitiert aus = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], S.  
| Textanfang = Stille, herrliche Sommernacht
|Kommentar = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], S.  
| Zitiert_aus = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0053.png|S. 53]], [[:Datei:Sa1-0054.png|S. 54]]
|Überlieferung = [[Liste der Tagebücher Christian Morgensterns|T 189]], Bl.
| Zitiert_aus_raw = SA-01, 53-54
|Datierung =  
| Kommentar = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0770.png|S. 770]], [[:Datei:Sa1-0771.png|S. 771]]
|Erstdruck = [[In Phanta's Schloß (1895)]]
| Kommentar_raw = SA-01, 770-771
|Gemeinfrei seit = 1985
| Überlieferung = {{TBl|1894-I|25}}
|Rezeptionen = ...
| Datierung = vermutlich August 1894
| date_start = 1894-08-01
| date_end = 1894-08-31
| unsicher = true
| Erstdruck = [[In Phanta's Schloß (1895)]]
| Gemeinfrei_seit = ja
| Rezeptionen_künstlerisch =
| Rezeptionen_wissenschaftlich =
| Rezeptionen_Buchausgaben =  
| Rezeptionen_weiteres =
| ID = LYR-SA-01-01-0027
}}
}}


[[Kategorie:Gedicht]]
[[Kategorie:Gedicht]]
[[Kategorie:In Phantas Schloß]]

Aktuelle Version vom 24. Februar 2026, 23:38 Uhr

Stille, herrliche Sommernacht!
Silberfischlein springen lustig
in dem himmlischen Meer.
Hochauf schnellen
5die zierlichen Leibchen sich,
blitzschnell wieder verschwindend.
Hinter grauen Wolkenklippen
gleißt es verdächtig.
Da kauert arglistig
10der Mann im Mond -
und fischt.
Verstohlene, seidene
Angelschnüre
wirft er hinab
15in die arglose Flut.
Ach! und nun
zappelt auch schon
ein armer Weißling
am Haken
20und fliegt
im weiten Bogen
hinauf zu den grauen,
häßlichen Klippen ...
Mir ist,
25ich höre ein leises,
behäbiges Lachen.

Lyrik | In Phantas Schloß
Widmung | Vorspruch | Prolog | Auffahrt | Im Traum | Phantas Schloß | Sonnenaufgang

Wolkenspiele: I | II | III | IV | V | VI
Sonnenuntergang | Homo Imperator | Kosmogonie | Das Hohelied | Zwischen Weinen und Lachen | Im Tann | Der zertrümmerte Spiegel | Das Kreuz | Die Versuchung | Der Nachtwandler | Andre Zeiten, andre Drachen | Die Weide am Bache | Abenddämmerung | Augustnacht | Mädchentränen | Landregen | Der beleidigte Pan | Mondaufgang
Mondbilder: I. | II. | III. | IV.
Erster Schnee | Talfahrt | Epilog
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | In Phantas Schloß - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich In Phantas Schloß
Zyklus
Zyklusnummer
Titel Augustnacht
Textanfang Stille, herrliche Sommernacht
Zitiert aus Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 53, S. 54
Kommentar aus Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 770, S. 771
Überlieferung T 1894-I, Bl. 25
Datierung vermutlich August 1894
Erstdruck In Phanta's Schloß (1895)
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-01-0027